Streckensegelflug – unglaubliche Distanzen mit der Kraft der Sonne!
Geschrieben von: Mennel Helmut   

Wie kann mit einem Segelflugzeug von Hohenems zum Achensee, weiter zur Bernina im Engadin und zurück über Oberstdorf nach Hohenems geflogen werden – 500 km ohne eigenen Motor?

Über die Faszination des Streckensegelfliegens.

 Segelflug Hohenems - Achensee - Bernina - Oberstdorf - Hohenems

Der Antrieb des Segelflugzeuges sind Aufwinde. Thermische Aufwinde entstehen durch die unterschiedliche Erwärmung der Luft über den verschiedenen Geländeoberflächen. In Bereichen, in denen die Luft von der Sonne stark erwärmt wird, löst sich diese, da wärmere Luft leichter ist, vom Boden ab und steigt hoch. Ein Segelflugzeug kreist in diesem vertikal aufsteigenden Luftstrom mit nach oben.

Diese Thermik wird an sonnigen Tagen oft durch Häufchenwolken - sogenannte Cumuli - am Himmel sichtbar. Mit der erreichten Höhe kann der Segelflieger zum nächsten Aufwind gleiten, wobei moderne Segelflugzeuge dabei eine Höhe von 1.000 Meter in eine Strecke von über 40 Kilometer umsetzen können.

Für das Streckensegelfliegen besonders wichtig sind Fähigkeiten wie Wetterkenntnis, Orientierung, das sehr gute Beherrschen des Segelflugzeuges und Flugtaktik. Während eines Streckensegelfluges sind laufend Entscheidungen vom Segelflieger zu treffen. Diese sind zum Beispiel: Welche Route fliege ich zum nächsten Ziel, kreise ich im Aufwind weiter oder erwarte ich weiter vorne einen noch besseren Aufwind, kehre ich um …? Der Segelflieger, der die wenigsten Fehler macht, wird die größte Leistung des Tages fliegen. Jeder Tag bietet neue Wetterbedingungen und damit ist kein Segelflug wie der andere.

Sollte die Einschätzungen der Bedingungen einmal ganz daneben gehen, kann es vorkommen, dass eine Rückkehr nach Hause nicht mehr möglich ist. Für diesen seltenen Fall wird in einer Wiese, einer sogenannten Außenlandewiese, gelandet. Segelfliegerfreunde holen den „Gestrandeten“ und das Segelflugzeug mit dem Auto und dem Segelfliegeranhänger nach Hause. Der heimgeholte Segelflugpilot ist verpflichtet die Helfer zum Essen einzuladen.

Bernina mit Biancograt und Morteratschgletscher bei St. MoritzDie Faszination am Segelfliegen ist das Fliegen selbst. Mit diesem Flugzeug in der fantastischen Umgebung der Alpen, zwischen schroffen Felsen und Gletschern und in unterschiedlichen Wetterbedingungen, zu gleiten. Im Streckensegelflug kommt dazu ein Ziel, das es zu erreichen gilt. Jetzt kommen zur Faszination des Fliegens Strategie und Taktik dazu. Dies ist eine tolle Mischung, die den Reiz des  Streckensegelfliegens ausmacht.
Heute bieten die im Flugzeug eingebauten GPS-Geräte und das Internet neue Möglichkeiten. Im Segelflugzeug eingebaute Geräte zeichnen laufend die GPS-Koordinaten des Flugweges im sogenannten Logger auf. Dieses Loggerfile wird nach dem Flug auf den PC ausgelesen. Diese Daten werden auf einen Internetserver z. Bsp. auf http://sis-at.streckenflug.at/ hochgeladen. Der Flug wird automatisch bewertet und gereiht. Der Segelflugpilot nimmt damit dezentral an einem Wettbewerb teil und kann nicht nur die eigenen Flüge, sondern auch die Flüge der Segelfliegerfreunde am PC nachträglich analysieren.
Spitzenleistungen im Streckensegelflug übersteigen heute den oben geschilderten Segelflug über eine Strecke von 500 km bei weitem. Im Mai dieses Jahres haben von Hohenems aus drei Spitzenpiloten fünf Flüge über die Strecke von über 1.000 km geschafft! Streckensegelfliegen ist ein spannender Sport, dessen Leistungsspitzen die letzten Jahrzehnte zu unglaublichen Segelflugstrecken geführt haben – die Grenzen sind noch nicht erreicht.